Zu schnell für die Bayern!


Ich habe mit Fußball in der ersten Klasse angefangen, beim DJK Hochzoll, der Verein um die Ecke quasi. Dort habe ich anderthalb Jahre gespielt, unter anderem auch gegen den FC Augsburg. Nach einem offiziellen Probetraining hat sich der FCA bei mir gemeldet und mir gesagt, dass sie mich haben wollen. Da wollte ich aber noch nicht. (grinst) Da habe ich noch nicht an eine potentielle Karriere gedacht, sondern wollte lieber Zeit mit meinen Freunden verbringen. Ich war ja auch erst sieben. Der FCA hat aber nicht locker gelassen und hat mich immer wieder angerufen, sodass ich mich dann letztendlich doch entschieden habe zu wechseln. Für Augsburg habe ich dann für sieben Jahre gespielt, unter anderem auch immer wieder gegen den FC Bayern … und wir haben gewonnen. Letztes Jahr kam dann während der Saison der Anruf von den Bayern.

Zu schnell für die Bayern!

Das Ironische ist ja eigentlich, dass ich schon einmal bei der Talentsichtung vom FC Bayern war. Damals war ich aber noch jünger, sieben oder acht Jahre alt. Eigentlich waren wir auf dem Trainingsgelände, da mein Bruder Brian bei einer Basketball-Veranstaltung dort mitgespielt hat. Meine Mutter hat dann an einer Tür ein Schild entdeckt, auf der ‚Talentsichtung Fußball‘ stand. Da hat sie mich kurzerhand einfach mal reingesteckt. Das war dann eine Veranstaltung mit ca. 500 Kids, aber am Ende habe ich es unter die Top5 des Sichtungstages geschafft. In dem Feedback-Gespräch mit den Trainern im Anschluss an das Training hat man mir dann aber gesagt, ich sei zu schnell für das Kleinfeld, aber man würde mich weiterhin beobachten und sich bei mir melden, wenn die Saison für das große Feld wieder beginnt.

Der letztendliche Wechsel zum FC Bayern kam dann aber erst im Sommer 2016. Am Telefon wurde mir zuerst einmal ganz genau erklärt, wie sie arbeiten und was sie für Pläne mit mir haben. Sie haben mir gesagt, dass sie mich haben wollen, aber ich solle mir Zeit lassen und in Ruhe überlegen. Das habe ich auch gemacht. Ich habe mir meine Zeit genommen und ein paar Wochen meine Optionen abgewogen. Von meinen Eltern kam dabei kein Druck. Sie haben sich eher gewundert, wie lange ich überlegt habe. Am Ende haben wir uns mit dem FC Bayern auf einen Dreijahresvertrag geeinigt. Das heißt, ich stehe noch den Rest von dieser Saison plus zwei weitere unter Vertrag. Wenn der Fördervertrag ausläuft, gibt es noch einmal die Option um ein weiteres Jahr zu verlängern, aber das wird noch einmal separat besprochen. Für die kommenden beiden Saisons habe ich aber schon einmal etwas Planungssicherheit.

A8 statt Internat

Ich gehe immer noch in Augsburg zur Schule, ganz normal. Wenn ich mittags nach Hause komme, esse ich etwas, mache Hausaufgaben und dann habe ich ungefähr anderthalb Stunden, bevor ich schon wieder los muss, denn abends trainieren wir. Zum Training pendeln wir jeden Tag nach München. Dafür gibt es einen Fahrservice, der einige Jungs aus Augsburg in der Nähe der Autobahn abholt und direkt zum Training bringt. Anschließend werden wir auch wieder zurückgebracht. Quasi eine Art Sammeltaxi für die Jungs aus der Gegend. Diese Tour zum Training machen wir vier bis fünf Mal in der Woche und an den Wochenenden sind ganz klassisch die Spiele. Die Auswärtsfahrten dauern da auch gerne mal länger. Viel Zeit für andere Sachen bleibt da nicht. Das macht mir aber eigentlich gar nichts aus, wenn ich ehrlich bin. Meinen Freunden geht es genauso, sie unterstützen mich bei meinem vollen Terminplan.

Ich bin jetzt seit einer halben Saison dabei und ich habe den Eindruck, dass der Wechsel zum FC Bayern die richtige Entscheidung war. Die Trainer können mich definitiv besser machen. Wir arbeiten konsequent an den Sachen, die mir noch fehlen und das kann mich nur nach vorne bringen. Langfristig möchte ich mich beim FC Bayern soweit wie möglich entwickeln und letztendlich auch einmal den Sprung in den Profibereich schaffen. Ich will bei diesem Verein groß werden! Dadurch, dass ich die komplette erste Saisonhälfte 2016/17 verletzungsbeding verpasst habe, liegen meine kurzfristigen Ziele aber erst einmal vor allen Dingen darin, meine Kondition wieder aufzubauen und wieder voll einzusteigen. Durch eine Beckenschiefstellung hatte ich immer wieder muskuläre Probleme im Oberschenkel, aber durch die Hilfe der Physios und durch spezielle Einlagen, die ich in den Schuhen trage, wurde die Schiefstellung wieder ausgeglichen. Ich kann also endlich wieder voll am Spielbetrieb teilnehmen und ich freue mich auf die zweite Saisonhälfte!

Justin Butler
Justin (15) spielte sieben Jahre für den FC Augsburg und ist seit 2016/17 Stürmer für die U16 des FC Bayern München. Auf Wortathleten.de beschreibt er seinen Weg durch die Talentförderung im Nachwuchsbereich der Bayern.